Angst kann einen ganz schön behindern. Sie kommt völlig unerwartet, unerwünscht und unbeherrschbar. Wenn sie sich bis zur Panik steigert, setzt jede Selbstbeherrschung aus. Ich hasse es, wenn das passiert!
Aus diesem Grund arbeite ich daran, die Angst zu beherrschen. Denn wenn sie mich beherrscht, kommt nichts Gutes dabei heraus. Leider waren meine bisherigen Versuche in dieser Richtung kaum erfolgreich und hatten auch noch große Nebenwirkungen. Ich wurde verkrampft, übervorsichtig, unnahbar und leicht kränkbar.
Doch es gab auch Lichtblicke. Sie waren selten und ich konnte nie genau sagen, wodurch sie ausgelöst worden waren. Ich nenne sie meine persönlichen Erleuchtungserlebnisse. Sie waren auch kurzlebig und ich konnte nie genau sagen, was zu ihrem Ende geführt hatte. In einer solchen Erleuchtungsphase fällt plötzlich alles viel leichter. Die Welt wirkt viel freundlicher. Meine Ängste sind wie weggeblasen. Zuletzt dachte ich schon daran, es könnte sich um Manie handeln, also den Größenwahn desjenigen, der sich für allmächtig hält. Doch jetzt denke ich, dass ich einfach vorübergehend einen Weg gefunden hatte, meine Angst zu überwinden.
Mir ist klar geworden, dass Angst etwas ganz normales und wichtiges ist. Sie bewahrt den Menschen nicht nur davor, etwas dummes zu tun, sondern motiviert ihn auch dazu, für seine Bedürfnisse zu sorgen. Die Angst ist es, die unsere Aufmerksamkeit auf jede Bedrohung unserer Existenz lenkt, mag sie auch noch so winzig sein. Es liegt in ihrer Natur, unmittelbar, unbeherrschbar und übertrieben zu reagieren. Denn entscheidende Fehler macht man nur einmal!
Ich neige dazu, meine Angst festzuhalten. Ich will sie beherrschen, damit ich sie nicht mehr erleben muss. Deshalb entspanne ich mich nicht. Stattdessen denke ich endlos lange über eine Situation nach, die mir Angst gemacht hat. Ich suche nach Möglichkeiten, mich in Zukunft vor der Angst zu schützen. Doch auf diese Weise setzt sich die Angst in mir fest. Sie hält mich umklammert und behindert mich. Die Anspannung wird zur Gewohnheit. Daraus folgen Stress, Erschöpfung und Gereiztheit.
Nicht die Angst ist mein Feind. Sie überbringt nur eine Botschaft. Deshalb kann ich sie als nützliche Kraft akzeptieren. Ich danke ihr für ihre Arbeit und lasse sie wieder los. So finde ich zu einem gesunden Gleichgewicht zwischen Vorsicht und Sorglosigkeit.
Es ist ein Fehler, seine Angst loswerden zu wollen. Wenn man das versucht, hält man sie fest. Man darf sie auch nicht verdrängen. Denn dann muss sie um so lauter rufen. Es ist ihr Bedürfnis, wahrgenommen zu werden. Damit ist sie zufrieden. Mir scheint, wir leben in einer Kultur der Angstverdrängung. Angst wird als Schwäche ausgelegt. Für Männer ist es besonders schwierig, zu ihren Ängsten zu stehen. Unsere Helden kennen keine Angst. Meist liegt das daran, dass sie einfach nichts zu befürchten haben weil sie so stark sind. So kann es denn auch nicht verwundern, wenn wir versuchen, unsere Ängste mit Macht zu bekämpfen. Je mehr Macht ich habe, desto weniger muss ich mich fürchten. So ist die Logik dahinter. Auch ich bin ihr verfallen. Und ich habe eines herausgefunden: Die Ängste nehmen nicht ab.
Das Leben ist nun einmal verletzlich. Deshalb ist unser Verstand darauf getrimmt, ständig auf der Hut zu sein. Auch in der augenscheinlich sichersten Situation bleibt er wachsam. Immer findet er Gründe, Alarm zu schlagen. Meist handelt es sich um nichts weiter, als eine Unbekannte Situation. Deshalb ist ein gutes Mittel gegen Angst auch die Vermeidung unbekannter Situationen. Man nennt das auch Tradition. Je traditioneller und gleichförmiger ein Mensch lebt, desto sicherer fühlt er sich. Weil das heute immer weniger möglich ist, nimmt unsere Unsicherheit zu. Das ist aber nichts schlimmes. Schlimm ist lediglich, wenn man mit der Unsicherheit nicht umzugehen lernt.
Es ist ein probates Mittel, die Angst zu verringern, indem man sich selbst Sicherheit vorgaukelt. Das geht mit dem Glauben an einen mächtigen Schutzpatron, mit Alkohol und anderen Drogen, mit (scheinbarer) Macht, mit Traditionen. Besser aber ist es wohl, sich der Angst zu stellen. Sie ist gar nicht so schrecklich!
Tagged Angst, Entspannung, Erleuchtung, Macht, Panik, Sicherheit, tradition, Unsicherheit
Seit einigen Tagen arbeite ich an meinem neuen Wiki. Es heißt: “Frieden leben“. Es geht darin darum, weshalb viele Menschen sich dem Leben ausgeliefert fühlen. Es soll einen Weg aufzeigen, der den Menschen ihre Selbstbestimmung zurückgeben kann. Darin spreche ich aus eigener Erfahrung. Auch jetzt, wo ich so viel darüber gelernt habe, konnte ich mich noch längst nicht völlig von dem inneren Konflikt befreien, der die Menschen unfrei macht. Es ist der Konflikt zwischen dem gesunden Lebenswillen jedes Menschen und dem ungesunden Lustwillen. Ich selbst habe für mich die Entscheidung getroffen, mich voll und ganz dem Lebenswillen hinzugeben und den Willen zur Lust aufzugeben. Es ist eine ganz natürliche Entscheidung, sobald man erkannt hat, wie die Dinge tatsächlich liegen. Das heißt nicht etwa, dass man auf alles Schöne im Leben verzichten muss – ganz und gar nicht! Es heisst, seine Emotionen nicht mehr lenken zu lassen, wie man sich verhält. Doch obwohl diese Entscheidung für mich gefallen ist, sehe ich noch viel Arbeit vor mir, bis ich mich als völlig frei bezeichnen kann. Jetzt gilt es für mich, sie in allen Bereichen meines Lebens wirksam werden zu lassen. Ich muss sie gegenüber all meinen Gewohnheiten und Denkmustern offensiv durchsetzen!
Heute erhielt ich die Gelegenheit, einen mächtigen Feind in meinem Leben auf seinen Platz zu verweisen: Den Schmerz. Obwohl ich mich nie für sonderlich Wehleidig gehalten habe, muss ich in der Rückschau doch einräumen, dass ich es war. Das ging so weit, dass ich es nicht ertragen konnte, im Film zu sehen, wie sich jemand verletzt. Der Schmerz hatte Macht über mich. Das hat er heute sehr deutlich gezeigt.
Ich hatte mir schon vor einiger Zeit eine Verletzung zugezogen, die sich gelegentlich extrem schmerzhaft bemerkbar machte. Heute war wieder so ein Tag. Da ich nicht arbeiten musste, konnte ich mich ausgiebig von diesem Schmerz dominieren lassen. Ich saß nur herum, versuchte mich möglichst wenig zu bewegen und wartete darauf, dass es nachlässt. Aber es ließ nicht nach. Schließlich sah ich mich doch gezwungen, einige Erledigungen zu machen. Dazu gehörte eine lange Autofahrt. Während dieser Fahrt jammerte ich pausenlos vor mich hin, weil die Schmerzen in dieser Haltung besonders intensiv zu sein schienen. Ich fragte mich, womit ich das verdient hätte. Ich suchte nach dem Sinn dieser Plage. Ich forschte nach dem Fehler, den ich gemacht haben könnte. Immer wieder erinnerte ich mich daran, dass ich nun nicht mehr davon abhängig bin, ob es mir gut geht. Doch es half nicht.
Plötzlich hielt ich inne und erkannte, dass ich litt. Mir wurde sonnenklar, dass ich hier und jetzt Leid erfuhr. Natürlich hatte ich das schon vorher geahnt. Doch ich hatte es nicht wahrhaben wollen. Denn ich wußte, was das bedeutete: Leid ist die innere Zerrissenheit, die man erfährt, wenn man sich der Lust zuwendet. Nun gestand ich mir ein: Ja, ich wollte mich gut fühlen. Ja, ich hasste den Schmerz, weil er in mir negative Emotionen erzeugt. Ich litt – und das war falsch.
Es war, als hätte jemand einen Schalter umgelegt. Mein Leid war verschwunden! Der Schmerz war noch da, aber viel weniger aufdringlich. Ich konnte mich hinter dem Steuer aufrichten. Leichtigkeit erfasste meine Seele. Der Schmerz war seiner machtvollen Stellung als Herr über meine Emotionen enthoben. Er versieht jetzt wieder seinen angestammten Dienst als Bote, der mich darüber informiert, wenn es meinem Körper nicht gut geht. Wie ich auf diese Botschaft reagiere, das ist meine Sache.
Das ist jetzt viele Stunden her. Noch immer scheint es mir wie ein Wunder. Noch immer ist der Schmerz da, irgendwo. Ich respektiere ihn. Doch ich weiß, dass ich da nicht viel tun kann. Heilung braucht eben seine Zeit. Ansonsten tue ich, was ich tun kann. Und das ist eine ganze Menge, wenn man nicht wehleidig ist!
Lange dachte ich, ich suchte nach Freiheit. Inzwischen erkenne ich, dass es der innere Friede war, den ich wollte. Innerer Friede ist das, was man auch als Gelassenheit bezeichnet. Nach außen zeigt er sich durch die erstaunliche Fähigkeit des Menschen, sich nicht durch äußere Umstände beeindrucken zu lassen. Der innerlich friedliche wirkt stets beherrscht, gesammelt und allen erdenklichen Herausforderungen gewachsen. Das heißt nicht, dass er immer gewinnt. Es heißt, dass er jede Niederlage gelassen hinnimmt, ohne jemals aufzugeben.
Innerer Friede befreit den Menschen von quälenden innerlichen Konflikten, die zuvor den Großteil seiner Kraft verzehrt haben. Dadurch gewinnt er große Mengen an Energie, die er fortan sehr viel sinnvoller einsetzen wird. Mit den inneren Konflikten verschwinden auch viele der äußerlichen Konflikte. Denn viele von ihnen sind nichts anderes als innere Konflikte, die nach außen verlagert wurden. Was dann noch an Konflikten bleibt, kann fortan sehr viel effektiver bearbeitet werden. Der innerlich friedliche Mensch fürchtet sich nicht mehr davor. Er kann ganz offen seinen Standpunkt vertreten und ohne Scheu im Dialog nach Kompromissen suchen. Er hat es nicht mehr nötig, seine Entscheidungen zu verteidigen. Er weiß, dass er nicht begründen muss, warum er tut, was er tut.
Mir scheint, ich habe einen Weg zu diesem inneren Frieden gefunden. Der Weg ist einfach und klar. Aber er verlangt dem, der ihn geht, eine Menge ab. Er fordert nichts weniger ein, als eine Revolution im Denken! Diese Revolution im Denken ist so umwälzend, dass die meisten Menschen sie als unzumutbar ansehen werden. Wer aber sich darauf einläßt wird feststellen, dass er sein bisheriges Leben in einem tragischen Irrtum gelebt hat. Er ist einem Märchen aufgesessen, dass so fest in unserem Denken verankert ist, dass kaum einer je auf den Gedanken kommt, es in Frage zu stellen. Ich spreche hier von der Idee des Glücks. Ich spreche von der Vorstellung, dass ein Leben ohne Freude nicht mehr lebenswert ist. Solange ein Mensch an diese Idee glaubt, kann er keinen inneren Frieden finden.
Weil mich dieser Weg so positiv verändert hat und weil ich schon jetzt so deutliche Erfolge erlebe, spüre ich den Wunsch, ihn möglichst vielen Menschen zugänglich zu machen. Dies will ich in Form eines Wikis tun. Dieses Wiki werde ich allein bearbeiten. Die Wiki-Form scheint mir besonders geeignet. Sie erlaubt es mir, die Artikel vielfältig miteinander zu verlinken. So soll es dem Suchenden ermöglicht werden, seinen ganz persönlichen Weg zu dieser gedanklichen Revolution zu finden.
Ich nenne dieses Wiki: Frieden leben
Lange Zeit war das Motto dieser Seiten: “Selber denken macht schlau” Nicht nur meine Artikel widmete ich diesem Anspruch; nein, all mein Tun wollte ich danach bewerten. Anders kann ich es mir auch nicht vorstellen: Was ich schreibe, gehört zu mir, spricht aus mir und ist Teil von mir.
Als ich nun heute hierher kam, um mit kritischem Blick zu untersuchen, ob diese Einheit noch gegeben ist, spürte ich die Diskrepanz unmittelbar. Plötzlich erschien mir dieser Spruch arrogant, unangemessen und einseitig. Wie komme ich dazu, meine Bedürfnisse zum Maß aller Dinge zu erheben? Es war wohl eine Form von Selbstschutz im Kampf gegen rücksichtslose gesellschaftliche Normen, die Abweichler unerbittlich mit Abwertung strafen. Doch nun sehe ich ein, dass nicht jeder sein muss wie ich UND ich nicht sein muss wie alle anderen. Deshalb habe ich das Motto dieser Seiten geändert. Es soll zum Ausdruck bringen, dass es mir am Herzen liegt, auf meine spezielle Art und Weise zu einem reichen Miteinander beizutragen und sogleich jeden anderen authentischen Beitrag so anzunehmen, wie er eben ist.
Aus dem Universalanspruch auf intellektuelle Selbstbestimmung wurde also nun ein ganz persönliches Bekenntnis meiner Weltsicht. Damit bringt diese Überschrift den Inhalt meines Blogs besser denn je auf den Punkt. Für mich ist es ein großer Schritt, mich unabhängig zu machen von jeder Identifikation mit irgendeiner Norm. Denn wo niemand zuvor gewesen ist, gibt es keine Wegweiser. Das macht mir Angst. Trotz Angst voranzuschreiten zeichnet den Mutigen aus. So wünsche ich mir also viel Mut, um auf abenteuerlichen Pfaden denjenigen zu erkunden, der mir allmorgendlich im Spiegel begegnet.
Ich bin mir nicht mehr sicher, wann ich zum ersten Mal von dieser These hörte. Ganz sicher aber weiß ich noch heute, dass ich nicht an sie glauben konnte. Es widersprach meiner persönlichen Erfahrung.
Die Rede ist von der Idee, dass alle unsere großen und kleinen täglichen Sorgen, Nöte und Ängste sich auf eine einzige Grundangst zurückführen ließen, dass sie alle gespeist würden von dieser universellen Furcht: Der Angst vor dem Tod.
Ich glaubte nicht daran. Ich selbst war mir sicher, keine Angst vor dem Tod zu haben. Tatsächlich war der Tod etwas, worüber ich so gut wie nie nachdachte. Wie konnte etwas, an das ich fast nie dachte, mein Denken so sehr beeinflussen?
Seitdem habe ich sehr häufig darüber nachgedacht, ob ich nicht doch, tief drinnen, eine Angst vor dem Tod pflege, ohne etwas davon zu ahnen. Als sehr nachdenklicher und beobachtender Mensch habe ich schon so manche höchst überraschende Entdeckung bezüglich meiner Ängste gemacht. Ich staune immer wieder, wovor ich mich alles fürchte! Doch die Angst vor dem Tod konnte ich bislang nicht eindeutig in mir identifizieren.
Doch da gibt es eine andere Tendenz in mir, die sich mit dem Thema Tod beschäftigt. Es gab Zeiten, in denen ich dem Leben keine Freude mehr abgewinnen konnte. Immer dann, wenn nichts so zu laufen schien, wie ich mir das vorgestellt hatte; immer dann wenn der Blick nach vorn nur Dunkelheit offenbarte; immer dann wenn ich mich verzweifelt fragte: Warum? In jenen wirren Stunden bot sich mir eine verführerische Lösung an: Aufgeben. Zuerst nur als abstrakte Vorstellung, doch mit den Jahren verfestigte sie sich zur klaren Option. Das machte mir Angst.
Es ist die erschütternste Angst, die ich jemals kennengelernt habe. Es ist die Angst, keinen Grund mehr zu finden, es nicht zu tun. Es ist die Angst, dass es nichts im Leben gibt, wofür es wert ist zu kämpfen. Denn dann wäre alles bedeutungslos. Dann hätte man nur die Wahl zwischen einem Leben voller Zerstreuung und Triebbefriedigung oder dem Tod. Dann gäbe es keine Grundlage für Moral. Dann wäre alles falsch, worauf unser Leben aufgebaut ist.
Ist das nun die Angst vor dem Tod? Man könnte es die Angst vor dem Tod der Welt nennen. Wenn ich heute sterbe, existiert die Welt weiter. Doch wenn mein Glaube an den Sinn dieser Existenz stirbt, bricht alles zusammen, wofür ich jemals gearbeitet und gekämpft habe. Das hat eine andere Qualität: Es bedeutet die Auflösung von allem, was jemals war in absolute Nichtigkeit; ganz so, als wäre es niemals geschehen.
Nicht jeder Mensch erlebt solch eine Krise und für die meisten, die es doch tun, geht sie recht bald vorbei. Wäre es aber möglich, dass solch eine Angst auch den allgemein gut funktionierenden Menschen zu schaffen macht? – Ich sehe Hinweise darauf, dass dem so ist.
Wenn man einigermaßen aufmerksam die Menschen beobachtet, stellt man ihren Hang zum Klagen fest. Das mag eine deutsche Spezialität sein. Doch auch in den USA habe ich ähnliches erlebt. In der Regel beklagt man sich bei irgend einem dahergelaufenen Zeitgenossen über die Härte des eigenen Lebens und macht gleichzeitig noch irgend jemand anderen dafür verantwortlich. Am besten geht das, wenn beide Gesprächspartner unter ähnlichen Problemen leiden und sich auch noch auf denselben Schuldigen einigen können. Werden sie sich in der Schuldfrage nicht einig, kann es aber auch zum Streit kommen!
Warum tun wir das?
Ich sehe hier zwei unabhängige Mechanismen. Zum einen scheint mir dies ein recht verzweifelter (und nutzloser!) Versuch zu sein, sozialen Druck auf den vermeintlichen Urheber unseres Leids auszuüben. Die Verbündung mit Leidensgenossen soll dabei die Durchschlagskraft erhöhen. Doch darüber hinaus erkenne ich darin auch eine Strategie, die Hoffnung auf ein besseres Leben aufrechtzuerhalten. Indem man sich einbildet, einzelne, bekämpfbare, Kräfte seien für die täglichen Frustrationen verantwortlich, eröffnet man sich gedanklich die Möglichkeit, dass das eines Tages nicht mehr so sein wird. Von dieser Hoffnung leben wir.
Wie kommt es aber nun, dass wir die Hoffnung auf ein besseres Leben brauchen? Wir! Diejenigen, die am reichsten sind auf der Welt. Diejenigen, die im Winter nicht frieren müssen. Diejenigen, die den Hunger nicht kennen. Diejenigen, die einen gesetzlichen Anspruch auf Fernsehen haben?
Meine These ist die, dass wir unser Leben als unbedeutend wahrnehmen. Warum sonst sollten wir uns nach Anerkennung, Ruhm und Ehre sehnen? Wenn dann ein Star uns darüber aufklärt, wie wenig sinnstiftend das alles ist, hören wir lieber weg. Denn auch diese Sehnsucht repräsentiert unsere Hoffnung darauf, doch noch dahin zu kommen, dass wir unser Leben als bedeutungsvoll erfahren.
Ich meine also: Nicht die Angst vor dem eigenen Tod nährt alle unsere Sorgen, sondern vielmehr die Angst vor der Bedeutungslosigkeit unseres Lebens. Angst vor dem Tod erleben wir dann, wenn wir uns in einen Verkehrsunfall verwickeln: Sie ruft alle verfügbaren Resourcen ab, lenkt unsere Aufmerksamkeit auf die Situation und sorgt dafür, dass wir an nichts anderes denken, als: Wie komme ich hier heil raus?
Sie verschwindet von allein, wenn die Gefahr vorrüber ist. Was darauf folgt: Die schlaflosen Nächte, die kreisenden Gedanken, die Furcht vor dem Steuer. All das nenne ich die Angst vor der Bedeutungslosigkeit des eigenen Lebens: Wenn ich gehe – was bleibt dann noch von mir? Man hofft verzweifelt darauf, dass man irgend eine Form der Bedeutsamkeit noch erlangen wird, bevor es zu spät ist. Das ist wichtig! Wofür hätte man das alles sonst auf sich nehmen sollen?
Wir leben in einer beunruhigenden Zeit. Schlechte Nachrichten aus allen Teilen der Welt gehören zum täglichen Ritual. Die Gefahr lauert überall: Seien es nun Tsunamis, Erdbeben, Atomkraftwerke, Autos, Verbrecher, Colesterin, Krebs, Stellenstreichungen, Steuererhöhungen, oder üble Nachrede. Wo man hinsieht, geht es bergab, so scheint es.
Doch wir Menschen sind hart im nehmen. Wir lassen uns nicht so leicht klein kriegen. Auch wenn es weh tut; auch wenn wir jammern und klagen; auch wenn man uns das Weihnachtsgeld streicht: Wir machen weiter. “Was sollen wir auch sonst tun?”, lautet die resignierte Erklärung allerorten.
Doch warum so bescheiden? Ihr müsst Euch nicht hinter irgendwelchen Zwängen verstecken. Es ist überhaupt nicht selbstverständlich, dass ihr einfach weiter macht! Fast 10000 Deutsche wählten im Jahr 2010, nicht mehr weiter zu machen: Sie setzen ihrem Leben ein Ende. Ich finde das sehr traurig. Aber ich kann diese Menschen sehr gut verstehen. Wenn das Leben mir nur noch Leid zufügt, verliert es allen Wert für mich.
“Das Leben ist hart!”, sagt der Volksmund. “Ja, eines der härtesten!”, pflegte ein Freund von mir stets zu witzeln. Diese Einstellung wird uns von Kindesbeinen an vermittelt. Und natürlich fehlt es uns von Anfang an nicht an der direkten Erfahrung dieser Tatsache: Wer einmal 4-jährige dabei beobachtet hat, wie mühsam sie eine Mahlzeit in sich hinein kämpfen müssen, weil es einfach noch gewaltig an den motorischen Fertigkeiten hapert, der weiß, was ich meine.
So wundert es nicht, wenn viele Menschen das Leben als Kampf betrachten: Eine andauernde Ausnahmesituation. Doch wer kämpfen soll, braucht eine starke Motivation. Denn gerade wenn es hart auf hart geht, wenn man Verluste verkraften und Rückschläge wegstecken muss, braucht man eine innere Rechtfertigung. Der Verstand wägt sehr genau ab, ob es das alles Wert ist, oder ob man nicht lieber aufgeben sollte, um weitere Verluste zu vermeiden.
Das ist eine sehr vernünftige Herangehensweise. Doch sie führt in Bezug auf ein ganzes Leben in eine Zwickmühle. Wenn der Mensch die Überzeugung gewinnt, dass er im Leben mehr Leid als Freude erfährt, dann tendiert sein Verstand dazu, zum Rückzug zu blasen. Rückzug aus dem Leben bedeutet das. Zuerst werden Aktivitäten und Kontakte eingeschränkt, Risiken aller Art werden gemieden. Doch wenn die Bilanz dann noch immer negativ ausfällt, bleibt bald nur noch ein Rückzugsort: Das “Nicht mehr sein”. Dort kann man zwar nichts mehr gewinnen, aber wenigsten muss man auch nicht mehr leiden.
Der Verstand weiß um die Radikalität dieser Option. Deshalb wird er sich niemals leichtfertig dazu entschließen. Vielmehr wird er sehr intensiv nach Alternativen suchen. Es muss schon eine feste Überzeugung in einem Menschen wachsen, dass sich selbst die kleinste Anstrengung im Leben nicht lohnt, um ihn zum Suizid zu bewegen.
Wenn wir einen deprimierten Freund vorfinden, greifen wir gern zum Mittel der Ablenkung. Es hilft. Der Gebeutelte kommt auf andere Gedanken und verdrängt seine negativen Erfahrungen. Das tun eigentlich alle Menschen dann und wann. Und zur Ablenkung kann fast alles dienen: Fernsehen, Sport, Essen, Feiern, Alkohol, usw. Zum Problem wird das dann, wenn man es übertreibt. Dann nennen wir so etwas Sucht. Man will die Härte des Lebens nicht mehr spüren, nie wieder!
Die meisten Menschen leben in einem permanenten Zustand der Anspannung. Sie fürchten sich. Ja, sie haben Angst! Sie ängstigen sich vor Naturkatastrophen, Umweltverschmutzung, Arbeitsplatzverlust, Ablehnug, Verlust der Beziehung, usw. Die Liste ist endlos. Dass wir so überhaupt noch funktionieren können, grenzt an ein Wunder!
Dieser Angst zugrunde liegt die Tatsache, dass ein jeder um das Vorhandensein einer inneren Bilanz von Freude und Leid weiß. Den wenigsten dürfte es jedoch bewußt sein. Selbst die Angst erkennen nur wenige. Doch sie ist da. Ihr Kern liegt in der Furcht davor, dass das Leben seinen Sinn verlieren könnte. Das geschieht dann, wenn es so aussieht, als könne man nur verlieren.
“You can’t win!”, heißt es im Englischen. Also: Man kann nicht gewinnen. Dass sagt man immer dann, wenn man sich in der Zwickmühle sieht, dann mutig einen Schritt wagt, und auf die Nase fällt. Es schwingt viel Selbstironie in diesem Satz mit. Denn wenn ein Mensch das wirklich glauben würde, könnte er nicht mehr existieren.
Wir brauchen unbedingt die Gewissheit, dass man gewinnen kann. Nur dann finden wir die Kraft, uns den Herausforderungen des Lebens zu stellen. Nur wenn es eine Chance gibt, den Kampf zu gewinnen, kann man auch kämpfen.
Die Religionen haben den Menschen lange Zeit diese Gewissheit gegeben. Sie versprachen ihnen Erlösung und ewiges Leben. Das war ein lohnendes Ziel und es war erreichbar! Doch heute verlieren die Religionen massiv an Glaubwürdigkeit. Die Wissenschaft tritt ihre Nachfolge an. Sie löst die gottzentrierten Weltbilder ab durch eine rein materialistsche Sichtweise. Gott – der liebende und schöpfende Gott – hat keinen Platz mehr darin. So entsteht ein Mangel, den die Religionen nicht mehr ausgleichen können. Ihre Zeit ist vorbei. Ihre Dogmen beißen sich mit den Erkenntnissen der Wissenschaft. Und die Wissenschaft gründet ihre Herrschaft auf ihre Erfolge! Durch sie allein konnte unser Lebensstandard so unglaublich ansteigen. Es gibt keinen Weg zurück mehr. Stattdessen brauchen wir eine neue Antwort auf die Frage: Warum tue ich mir das an?
Ist es denn nicht alles gut so, wie es ist? Wir beißen uns doch durch! Unsere Wirtschaft wächst weiter, trotz Wirtschaftskrise und Eurokrise.
Ich meine: Wir torkeln mehr schlecht als recht auf Zickzackkurs in die Zukunft. Wir verschwenden den Großteil, wenn nicht fast alles, unserer Energie darauf, uns von diesem Problem abzulenken. Wir konsumieren auf Teufel-komm-raus, nur um nicht in dieses tiefe Loch zu fallen, dass sich mit rasender Geschwindigkeit unter uns vergrößert. Wer zwischendurch zufällig nach unten sieht, trinkt auf den Schreck erst mal zwei Schnäpse. Ja, so ist es gleich besser!
Das hat lange Zeit gut funktioniert. Doch es braucht einen neuen Weg. Wir kommen an die Grenzen dieser Methode. Wir müssen uns offen mit dem Problem auseinandersetzen. Gerade in der Überflussgesellschaft erkennen die Menschen, dass Wohlstand nicht glücklich macht. Man kann die Härten des Lebens verringern. Doch die größte Härte steht unerschütterlich vor uns allen: Ganz gleich was wir erreichen; es wird vergehen. Wir werden vergehen. Unser Leben wird enden, so oder so.
Jemand hat einmal von den großen Beleidigungen der Menschheit gesprochen: Die Erkenntnis, dass die Erde nicht im Zentrum der Welt steht. Die Erkenntnis, dass der Mensch auch nur ein Tier ist. Und eben die Erkenntnis, dass der Mensch sterben muss. Der Tod scheint all unsere Mühen bedeutungslos zu machen. Man wird bald vergessen. Was man auch aufgebaut haben möge, es wird die Zeiten sicher nicht überdauern. Heute lernen wir sogar, dass unsere eigene Sonne, von der wir völlig abhängig sind, irgendwann einmal aufhören wird, für die Erde zu leuchten. Die Wissenschaft tröstet uns mit der Erklärung, dass wir zu diesem Zeitpunkt vermutlich ohnehin nicht mehr existieren dürften. Das sind ja blendende Aussichten!
Sollen wir uns also besser darauf verlagern, uns dem augenblicklichen Genuß hinzugeben? Sollen wir feiern, solange es noch geht? Sollen wir unverbindlichen Sex genießen, wann immer sich die Gelegenheit bietet?
Irgendetwas sagt uns, dass das nicht die Antwort sein kann. Warum? – Weil es auf Dauer öde wird. Weil es uns die Lebensfreude nimmt. Denn das schönste im Leben ist es nunmal, etwas zu schafffen, zu kreieren, zu schöpfen. Wir nennen das plump: Arbeit.
Wie können wir der Arbeit, und damit unserem Leben, den Sinn wiedergeben?
Dazu gibt es viele Beispiele: Wie konnte Thomas Alva Edison nach unzähligen Fehlversuchen dennoch immer weiter machen, bis er die Glühbirne erschaffen hatte? Wie konnte Henry Ford seine Ingenieure jahrelang an der Entwicklung eines V-8-Motors arbeiten lassen, der nur aus einem Block bestand, obwohl ihm jeder sagte, das sei unmöglich? Was trieb alle jene Visionäre an, die Ziele erreichten, von denen sämtliche Experten glaubten, sie seien nicht erreichbar?
Es war ganz einfach die Überzeugung, dass sie eine Chance hatten! Niemand kann wissen, dass etwas möglich ist, bevor er es nicht getan hat. Aber man kann immer daran glauben, dass es eine Chance gibt, es zu schaffen. Auch wenn alle Fakten darauf hindeuten, dass eine Sache einfach “nicht machbar” ist, ist es niemals auszuschließen, dass es doch einen Weg gibt. Und auch Fehlschläge erfüllen einen Zweck: Sie zeigen uns, wie es nicht funktioniert! Damit ist jeder Fehlversuch ebenso wichtig, wie der Versuch, der den Durchbruch bringt. Denn nur durch Ausprobieren kann man letztlich herausfinden, was möglich ist und wie man es macht.
Es gibt immer eine Chance! Das gilt für jede denkbare Situation. Insbesondere gibt es immer eine Chance, dass unser Leben von Bedeutung ist. Es ist einfach nicht auszuschließen, dass wir Menschen unsere Sonne überleben werden und dass das, was wir heute tun, ein Baustein im großen, wundervollen Gebilde unserer Art wird. Wer so denkt, scheut die Enttäuschung nicht. Denn er weiß, dass auch sie zum Fortschritt beiträgt.
Es ist nur eine Chance. Das ist richtig. Gewissheit kann es nicht geben. Die brauchen wir auch gar nicht. Wer kämpft, kann verlieren und er kann gewinnen. Und wer weiß, dass er gewinnen kann, wird niemals freiwillig aufgeben. Darüber hinaus befreit uns diese Erkenntnis von der Notwendigkeit, ständig nach kurzfristigen Siegen und Rückzugsmöglichkeiten Ausschau zu halten. Sie befreit uns auch von der Angst, irgendwann vielleicht nicht mehr kämpfen zu wollen. Die ist unsere größte Last. Ohne sie können wir unsere ganze Kraft darauf verwenden, an einer schöneren Zukunft für uns und die Menschheit zu arbeiten. Wenn wir das tun, werden wir Erfolge erleben, von denen die wenigsten zu träumen wagen!
Der Film “Per Anhalter durch die Galaxis” ist auf den ersten Blick eine klassische Liebesgeschichte: Mann verliebt sich in Frau. Frau findet ihn interessant, zögert aber noch. Mann macht sich lächerlich und Frau zögert noch mehr. Mann findet zu sich selbst und zum Herzen der Frau. Happy End!
Der Grund, warum dieser Stoff eine so große Fangemeinde um sich versammelt hat, ist aber ein anderer: Es steckt etwas darin, dass uns fasziniert! Irgendwo tief in unserem Inneren spricht diese Geschichte etwas an, das sich nach Erlösung sehnt.
Ich habe nicht nur den (stark vereinfachten) Film gesehen, sondern alle 5 (!) Bände des Buches gelesen. Kurz: Es war frustrierend!
Michael Douglas war ein Genie. Das steht außer Frage. Doch er fordert eine ganze Menge vom Leser. Sein unablässiges bloßstellen unseres dummen und irrationalen Verhaltens, das anfangs noch ausgiebig die Lachmuskeln trainiert, ging mir irgendwann an die Substanz. Denn an allen Ecken und Enden lockt er fast zynisch mit dem Versprechen, uns endlich zu offenbaren, warum wir in dieser verwirrenden Welt ein verwirrendes Leben führen, nur um kurz darauf die Blase platzen zu lassen. Nein, die Antwort gibt er nicht. Was er tut, ist wesentlich fundamentaler. Er unternimmt es, auf kunstvolle Weise uns selbst entdecken zu lassen, was uns niemand sagen kann. Viele haben das versucht. Michael Douglas hat meiner Meinung nach großes auf diesem Gebiet geleistet!
So spielt in dem Film die Suche nach der Frage eine große Rolle. Dazu kommt es, nachdem eine hochentwickelte Rasse einen Supercomputer baute, der ihnen sagen soll, was der Sinn des Lebens ist. Die Antwort des Computers ist heute legendär: 42. Die Wesen sind maßlos enttäuscht, doch der Computer verteidigt sich, indem er sagt, er habe eben die genaue Frage nicht gekannt. Also wird ein Plan gemacht, der zur Erkenntnis dieser entscheidenden Frage führen soll.
Später im Film stellt sich heraus, dass der Planet Erde inklusive aller Lebensformen von diesen Wesen erschaffen wurde, mit dem Ziel, diese Frage zu finden. Die Erkenntnis, der Sinn menschlichen Lebens sei es, die Frage nach dem Sinn des Lebens zu stellen, kann zynischer nicht sein!
Doch es steckt mehr dahinter, als purer Zynismus. Wenn ein von unermesslich gescheiten Wesen erdachter Supercomputer nach Jahrtausenden der gründlichen Analyse zu dem Ergebnis kommt, die Kenntnis der Frage sei viel wesentlicher für die Lösung des Sinn-Problems, als die der Antwort, so ist das ein deutlicher Hinweis!
Wir Menschen sind häufig unglücklich, weil unsere Lebensumstände anders sind, als wir uns das wünschen. Wir beschweren uns gerne über alles mögliche. Wenn wir dann so richtig deprimiert sind, fragen wir uns, was das alles soll. Was habe ich davon, dieses alles hier zu erleiden? Und hier liegt meiner Ansicht nach der Schlüssel! Wir stellen die falschen Fragen, weil wir von falschen Prämissen ausgehen. Wir fragen, was es uns bringt, gegen die Widrigkeiten anzukämpfen, weil wir glauben, die Welt wäre nur dazu da, uns ein schönes Leben zu ermöglichen. Dem ist nicht so.
Ich schlage eine andere Perspektive vor: Es gibt eine Frage, eine ewige Frage. Es gab sie schon immer und es wird sie immer geben. Die Antwort sind -unter anderem- wir. Das Leben ist nicht für uns da. Wir sind für das Leben da. Und noch mehr: Das Leben ist auch nur eine Antwort auf diese Frage.
Am Anfang steht nichts. Absolut gar nichts. Aus diesem Nichts, das wir uns gar nicht vorstellen können, entsteht durch puren Zufall Etwas. Das ist keine Esotherik, sondern akuteller Stand wissenschaftlicher Hypothesen. Man spricht von Fluktuationsfeldern. Materie entsteht und zerfällt wieder, ganz spontan. Wenn nun in all diesem Durcheinander zufällig etwas entsteht, dass nicht gleich wieder zerfällt, dann bleibt es bestehen. Alles, was bestehen bleibt, existiert weiter. Alles andere nicht. Weil das so ist, werden nur solche Strukturen bestehen bleiben, die mit den Umweltbedingungen, in denen sie nun mal entstanden sind, klar kommen. Das nennt man auch natürliche Selektion. Weil Umweltbedingungen sich ändern, müssen sich die Strukturen anpassen, oder sie werden einfach verschwinden. Weil es Strukturen gibt, die sich anpassen, verschwinden nicht alle. Das ist der einzige Grund. Wir Menschen sind Strukturen, die sich besonders gut anpassen können. Unser Ziel ist, zu existieren und nicht damit aufzuhören. Die alltäglichen Probleme des Lebens, die uns so auf den Wecker gehen, sind es, die uns hervorgebracht haben. Wir sollten ihnen dankbar sein!
Was bedeutet das nun für meinen Alltag? – Nun, wenn ich erkenne, dass widrige Umstände die Ursache für die Entwicklung des Lebens sind, dann revolutioniert das meine Sichtweise. Ich sehe nun ganz klar, dass die einzige Freude des Menschen darin besteht, sich gegen diese Umstände durchzusetzen. Wir blühen auf in dem kreativen lösen von Problemen des Alltags! Es ist einfach unsere Natur, das zu tun.
Weshalb aber fühlt es sich dann so schlecht an, Probleme zu haben? Das ist eine andere Frage. Sie ist völlig losgelöst von der Frage nach dem Sinn des Lebens. Es geht hier zum einen um Emotionen, dann um Bewertungen und schließlich darum, was ein Mensch will. Meine These ist: Wenn ein Mensch seinen eigenen Willen kennt, wird er Probleme lieben! Doch darauf werde ich in einem späteren Artikel eingehen.
Tagged 42, Frage, Per Anhalter durch die Galaxis, Sinn des Lebens
Mir persönlich kann der Sommer gar nicht heiß genug sein. Von mir aus könnte man auch den Winter zugunsten eines zweiten Sommers ausfallen lassen. Umso mehr genieße ich die aktuelle Hitzewelle! Wenn es dann, wie heute, kräftig zu gewittern anfängt, fühle ich mich pudelwohl. Sicher spielt auch die damit verbundene Abkühlung eine Rolle. Aber das ist es nicht eigentlich, was ich so daran mag. Vielmehr fasziniert mich die ungebändigte Naturgewalt, der wir Menschen so lächerlich wenig entgegenzusetzen haben. Am liebsten möchte ich in den Sturm hinauslaufen, durch und durch nass werden und die apokalyptische Atmosphäre in mich einsaugen. Aus demselben Grund stehe ich in milden Sommernächten gerne auf einem Feldweg fernab jeder Siedlung und verliere mich in der Vorstellung, ein winziger Punkt auf einem unbedeutenden Planeten in einem unermesslich großen Universum zu sein. Darin fühle ich mich auf eigenartige Weise geborgen.
Vielleicht könnten wir zufriedener leben, wenn wir den Wunsch nach Beherrschung der Natur aufgeben und uns in ihr aufgehoben fühlen würden.
Eigentlich bin ich ja ein sehr kritischer Mensch. Dennoch gebe ich gerne zu: Ich liebe mein iPhone! Dieses kleine Wunderwerk der Elektronik hat schon längst meinen Notizblock verdrängt und läuft mir sogar dem PC mehr und mehr den Rang ab. Es ist einfach überall schnell zu Hand, intuitiv zu bedienen und unglaublich vielseitig.
Seit langem schon lese ich auch ganze Bücher auf dem handlichen Gerät mit Platz genug für umfangreiche Bibliotheken. Zwar stellen sich die deutschen Verlage noch reichlich spröde an im Umgang mit dem eBook-Markt, doch DRM-freie Literatur kann man schon heute in beachtlicher Auswahl finden. Das umfasst einerseits jene gemeinfreien Werke lange verstorbener Autoren, die von verschiedenen Gruppen im Internet systematisch zugänglich gemacht werden. Andererseits publiziert auch so mancher unbekannter Schriftsteller seine Texte auf diese Weise. Schließlich eröffnen sich für den englisch-sprechenden Leser zusätzliche Quellen, aus denen er sich nach belieben eindecken kann. Zwar ist der Bildschirm des iPhone vergleichsweise klein, jedoch bedeutet das für den Leser in erster Linie nur eines: Öfter blättern. Nun, das ist – ganz im Gegensatz zu den eBook-Readern mit elektronischer Tinte – auf dem iPhone gar nicht weiter schlimm. Blättern geht fix und ohne großes Überlegen. Ebenso fix schlage ich zehn Seiten zuvor noch mal eben nach, wer dieser Markus gleich wieder war und warum er Tina nicht leiden kann…
Bevor Displays mit elektronischer Tinte verfügbar waren habe ich deren Entwicklung jahrelang ungeduldig verfolgt. Damals wußte ich noch nichts davon, dass das Umblättern so lange dauern würde. Bis sich das nicht ändert, lese ich lieber auf meinem 4,5″ Display. Das passt sogar in die Hosentasche und ich kann überall und jederzeit an meinem aktuellen Buch weiterlesen, wenn sich die Gelegenheit dazu ergibt. Das hat noch einen Vorteil: Wer mich dabei beobachtet, hat keine Ahnung, was ich eigentlich tue. Ich könnte auch im Internet surfen, oder SMS schreiben. Das wird ja praktisch überall toleriert. Stünde ich allerdings mit einem Taschenbuch vor der Nase an der Supermarktkasse, zöge das sicher einige unbequeme Aufmerksamkeit auf sich…
Auf diese Weise hat also ein Mini-Computer mit Telefoniefunktion und Gestensteuerung meinen Alltag revolutioniert. Meine Gewohnheiten haben sich stark verändert und so manche unglaublich fortschrittliche Funktion des iPhone ist mir zur puren Selbstverständlichkeit geworden. Dennoch staunte ich nicht schlecht, als ich kürzlich in einem unbedachten Moment mit meinen dicken Fingern auf dem Laptopbildschirm herumpatschte; ganz offensichtlich in der Erwartung, damit irgend eine Reaktion auf demselben hervorzurufen. Ja, die Macht der Gewohnheit war es wohl, die mich für einen Augenblick den Unterschied zwischen iPhone-Display und Laptop-Bildschirm vergessen ließ. Das kann ja mal vorkommen, dachte ich. Als ich aber wenig später in einem (richtigen) Buch mit dem Finger den Inhalt zu scrollen versuchte, wurde es mir doch ein wenig unheimlich.
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In meiner Wohnung gibt es nicht viele Fliegen. Das eine Fenster, das ich öffne, hat ein Fliegengitter. So ist es auch im Schlafzimmer. Gelegentlich öffne ich die Balkontür zum Lüften. So kann also mal die ein oder andere Fliege hereinkommen. Wenn sie aber drin ist, nervt sie gewaltig!
Mit der allergrößten Freude läuft sie dann über meine nackte Haut und kitzelt mich dabei, nur um mich zu ärgern. Wenn ich einen Film schaue, stolziert sie auf dem Bildschirm herum, als habe alle Welt nur auf ihren Auftritt gewartet. Das schlimmste Ärgernis aber ist ihre unanständige Gewohnheit, meine Fenster bei jeder Gelegenheit mit kleinen schwarzen Punkten zu übersähen. Von ihren Attacken gegen meine wohlverdienten Nickerchen mittels unverschämter Tiefflugmanöver will ich gar nicht erst anfangen!
Deshalb habe ich mich vor einigen Tagen schweren Herzens dazu entschlossen, einen jener grässlichen Fliegenfänger anzubringen, denen man besser nicht zu nahe kommen sollte, wenn man Wert auf unverklebte Hände und Kleidung legt. Tagelang hing er dann in einer Ecke meines Wohnzimmers, verschandelte die Landschaft und verhöhnte mich dabei, wie ich erfolglos meinem Plagegeist um die Flügel fuchtelte. Sein glänzender Klebefilm blieb unversehrt.
Nun endlich erbarmte er sich meiner doch und lockte eines dieser Monster in seine Falle. Mir ist das nur ein geringer Trost, hat sich doch bereits ein Nachfolger gefunden. Auch ihn wird es wohl nicht retten können. Ja, wenn sein Einsatz erfolgreich wäre, ich nun völlig ungestört meinen Gedanken nachhängen könnte und auch die Fenster weniger stark verschmutzt würden – ja, dann könnte ich ihn wohl ertragen – vielleicht. Denn abgesehen von seiner unvorteilhaften Wirkung im Zusammenspiel mit meiner Wohnungseinrichtung (Man könnte sich auch Klopapierfetzen an die Decke hängen…) umgibt ihn für mich die staubige Aura traditioneller Kleinlichkeit, die vor allem damit beschäftigt zu sein scheint, beschäftigt zu sein.